Ein Fußballverein wie Eintracht Braunschweig ist ein organisches Konstrukt. Unzählige kleine Versatzstücke greifen hier ineinander und ergeben im Großen ein Gesamtbild, das im besten Fall so attraktiv aussieht, wie es derzeit der Fall ist. Seit Ende der letzten Woche traten diese sportlichen Erfolge jedoch urplötzlich in den Hintergrund und das Gesamtbild von Eintracht Braunschweig wurde bundesweit stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Grund: ein Flyer namens “kurvenlage” sorgte für große Irritationen an und abseits der Hamburger Straße. Wir haben uns am heutigen Tage mit abseits°-Kolumnisten und dem FanPressesprecher bei Eintracht Braunschweig, Robin Koppelmann, zusammengesetzt und einen besonnenen Versuch gewagt, die brennendsten Fragen zu beantworten. Koppelmann verfolgt das Geschehen in der Fanszene seit Jahren aktiv mit und ist nicht nur an jedem Spieltag direkt im Stadion dabei.
“UB”s, I did it again – die Wahrheit liegt in der Kurve (frei nach B.Spears)
Am vergangenen Freitag erschien der Flyer „kurvenlage“, welcher von der sogenannten „Initiative gegen (rechte) Hooliganstrukturen“ publiziert wurde und der Eintracht-Fanszene ein Nazi-Problem unterstellt. Wie stehst Du dazu?
Ich muss ehrlich zugeben, dass ich über das Erscheinen zum jetzigen Zeitpunkt sehr überrascht war. Eintracht hat im Moment regelmäßig an die 20.000 Zuschauer, der Stadionbesuch ist ein Fest für die gesamte Familie. Die aktive Fanszene selbst ist durch die Etablierung des FanRats und der engen Zusammenarbeit von Verein, Fanbetreuung und Ultraszene auf einem guten und vernetztem Weg, wie es wohl so noch nie der Fall war. Gemeinsam wurde viel erreicht; die Stadionmodernisierung, das runde Wappen und jetzt das FanHaus sind nur einige Beispiele. Dass uns dabei parallel ein ernsthaftes Nazi-Problem im Stadion entgangen sein soll, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.
Hat denn Eintracht Braunschweig ein Naziproblem?
Dieses Pamphlet dokumentiert primär Dinge, welche in den achtziger und neunziger Jahren zweifellos im Stadion passiert sind – damals hatte Eintracht sicher ein Problem mit rechten Umtrieben und Gewalt. Davon ist aber seit langer Zeit nichts mehr zu sehen, wir verfügen jetzt vielmehr über ein pädagogisches Fanprojekt und einen Fanbeauftragen, welche gute Präventionsarbeit leisten. Auch die Fanszene selbst hat sich gewandelt und durch interne Selbstregulierungen sind Nazi-Parolen aus dem Stadion seit langem verschwunden. Die Ultras von „Cattiva Brunsviga“ machen da wirklich eine gute Arbeit, auch heute noch: Nachdem Mitglieder des Zentralrats der Sinti und Roma im Stadion waren und sich zurecht über die Formulierung „Capo“ für den Vorsänger und die „Zigeuner“-Gesänge ärgerten, wurde beiderseitig der Dialog gesucht und nach intensiven Gesprächen eine Verbannung dieser Dinge erreicht. Es ist also nicht so, dass die Fans auf dem rechten Auge blind wären – vielmehr sind sie jederzeit offen für Kritik und gehen bei Problemen aktiv dagegen vor.
Und was ist mit den Gruppen, welche die Initiative benennt und ihnen einen Nazi-Bezug nachweisen möchte?
Diese Gruppen sind natürlich bekannt, dennoch muss hier auch die Verhältnismäßigkeit dargestellt werden: Es handelt sich bei den Gruppen um keine offiziellen Fanclubs, sondern Zusammenschlüsse, aus denen vielleicht 20 bis 30 Personen auch wirklich ins Stadion gehen. Hier treten sie aber nur marginal auf und betreiben in keinster Weise aktive Politik oder nehmen Einfluss auf das Geschehen in der Südkurve – ich vermute, solche Gruppierungen hat fast jeder andere Verein von Eintrachts Größe. An dieser Stelle sollte schließlich auch eine Differenzierung vorgenommen werden: Was ist eigentlich ein aktiver Nazi? Jemand, der bewusste Propaganda betreibt, ggf. sogar Rekrutierungsarbeit? Oder Menschen aus bildungsfernen Schichten, welche unter Alkoholeinfluss ein paar stumpfe und auch sicher nicht schöne Parolen gröhlen? Bei den besagten Gruppen handelt es sich fast ausschließlich um das letztere Klientel, welchem dank sozialpädagogischer Arbeit geholfen und welche die große Masse der Eintracht-Fans recht leicht unter Kontrolle halten kann. Plakative Forderungen bringen dagegen wenig.
Du sprichst auf die Spruchbänder „Keine Eintracht mit Nazis“ an?
Unter anderem auch, ja. Natürlich darf es für Nazis keinen Rückzugsort geben und natürlich möchte keiner rechte Umtriebe haben – auch nicht im Stadion, das ist das Grundverständnis eines jeden Demokraten. Aber wie schon gesagt: Wer ernsthaft gegen (vermeintliche) Nazis vorgehen möchte, der sollte auch mit Menschen dieser Gesinnung den Dialog suchen und durch gezielte Betreuungsmaßnahmen versuchen, diesen Menschen zu helfen. Bei der Initiative erkenne ich diesen konstruktiven Ansatz leider nicht immer.
Was könnten denn ihre wahren Motive sein?
Nach unseren Erkenntnissen hat sich diese Initiative aus weiten Kreisen der „Ultras Braunschweig 2001“ gebildet. Die „UB“s sind im Jahr 2008 nach Gewalttätigkeiten gegen die anderen, normalen Eintracht-Fans („Kutten“) durch den Verein mit Stadionverboten belegt worden und haben in der Folgezeit den Anschluss an die antifaschistische Szene gesucht und gefunden. Sie verfolgen jetzt das Ziel, wieder ins Stadion zu kommen und versuchen hierzu offenbar eine Öffentlichkeit zu ihren Gunsten zu erzeugen. Anders kann ich mir diesen Verlauf nicht erklären: Erst wird dieser Flyer veröffentlicht, dann erscheinen UB mit Freunden aus St. Pauli und Bremen im Stadion, ohne dies vorher mit dem Verein oder der Fanbetreuung zumindest abgesprochen zu haben. Wie erwartet wird dieses Verhalten von vielen Fans als Provokation empfunden und die Polizei muss Schlimmeres verhindern. Als Konsequenz gibt es Stellungnahmen, welche Eintracht das besagte Nazi-Problem erneut unterstellen und mit den Ereignissen vom Wochenende belegt werden soll. Das riecht nach einem systematischen Vorgehen und hat für mich wenig mit konstruktiven Ansätzen für die Lösung des vermeintlichen Nazi-Problems zu tun.
Dazu würde passen, dass in der Braunschweiger Zeitung geschrieben wurde, die Autorin des Initiativen-Flyers, würde überhaupt nicht existieren?
Dort wurde Minna Fasshauer als Autorin angegeben, welches eine linke Politikern ist, die 1949 in Braunschweig verstorben ist. Auch den Sprecher der Initiative, Martin Schmidt, scheint es offenbar nicht zu geben. Das wirft natürlich schon Fragen in puncto Seriösität auf.
Viele Medien, sogar die renomierte 11Freunde, haben ihn dennoch problemlos zitiert?
Vermutlich, weil sie nur einseitig recherchiert haben. Der FanRat und auch das Fanprojekt wurden zumindest weder von der 11Freunde, noch der taz, angefragt. Unser Unverständnis hierzu haben wir bereits mit Leserbriefen kundgetan, der Verein wird hier ebenfalls reagieren.
Hat er ja auch bereits getan: Präsident Ebel und Geschäftsführer Voigt haben nun bereits zwei Stellungnahmen verfasst …
Hinter denen sowohl wir als FanRat, als auch die gesamte aktive Fanszene der Eintracht absolut einstehen. Beide haben die richtigen Worte gefunden und klargestellt, dass Eintracht im Stadion keinerlei politischen Extremismus zulassen wird, was wir gut und richtig finden. Wenn es ernsthafte Probleme gibt, dann stehen wir ihnen offen gegenüber und werden versuchen, sie gemeinsam zu lösen und – sofern dies nicht möglich ist – zur Not auch auf Sanktionen zurückzugreifen. Für politische Grabenkämpfe sind wir aber nicht zu haben, im Stadion geht es schließlich immer noch um den Fußball.
Ein letztes Wort zu den Ultras von „Cattiva Brunsviga“, welchen der Flyer ja auch eine latente „Rechtsoffenheit“ unterstellt?
Cattiva ist eine positiv-verrückte Ultragruppe, deren Mitglieder nur eine Sache im Kopf haben: Eintracht. Dort gibt es Mitglieder aus allen sozialen Schichten, bei denen Politik in und um das Stadion herum komplett ausgeblendet wird, die Jungs haben sogar ein farbiges Mitglied. Sie engagieren sich nur für Eintracht, machen tolle Choreos und eine zuletzt wirklich grandiose Stimmung. Zusätzlich betreiben sie soziale Projekte, wie dem Jannes-Turnier, bei welchem einem behinderten Kind eine Delphintherapie finanziert wurde. Sie in irgendeiner Form politisch kategorisieren zu wollen, halte ich für sehr vermessen.
Und wie haben die reagiert, als am Samstag „UB“ ihr „Ultras Curva Nord“-Banner in der Nordkurve entrollt haben? Immerhin sind es ja auch Ultras?
Die Südkurve hat erstaunlich zurückhaltend reagiert, da wurde wie bei jedem Spiel für Eintracht gesungen und es gab keinerlei Stimmen in Richtung UB’01. Dennoch wurde zur Sicherheit in der Halbzeit das Tor zwischen der Nordkurve und der Gegengeraden vom Verein geschlossen, da wohl auch einige Eintracht-Fans dort rübergegangen sind. Das ist natürlich nicht zu tolerieren – trotz aller Emotionen und Provokationen muss klar sein, dass Gewalt weder im, noch außerhalb des Stadions, eine Lösung darstellen kann! Wobei sich auch einige Fans gemeldet haben, die in dem UB-Block 15 saßen und es sehr bedenklich empfunden haben: Sie wollten – zum Teil mit ihren Familien – nur ein ruhiges Fußballspiel schauen und hatten entsprechende Einschränkungen und diese durchaus brisante Situation zu spüren, weil sie sich zwischen zwei Fronten wähnten. Ein weiterer Grund, weshalb wir solche Konflikte nicht im Stadion und auf dem Rücken der Fans ausgetragen sehen wollen.















Offene Fragen:
Wer hat das Magazin eigentlich finanziert?
Egal wie hoch oder niedrig das Wahrheitsgehalt der Ausgabe ist, der Verein hat zu handeln.
Nirgends wird auch nur mal erwähnt, dass man seine Mitarbeiter (Ordner) überprüft. Die werden in der Ausgabe mit Foto gezeigt. Fragen kostet nichts.
Auch eine Imagefrage. Durch die falsche Herangehensweise wird “Kurvenlang” jedoch einfach abgetan – anstelle sich mit den 80 Seiten einfach mal auseinander zu setzen und nicht nur den Verfasser in Frage zu stellen…
Das aufkommen des “Kurvenlage-Flyers” und das dazugehörige auftreten von UB und Freunden im Stadion ist als reine provokation mit der Hoffnung: “Hoffentlich gibt es übergriffe auf uns, dann haben wir noch mehr zu meckern” zu deuten. UB sind der Meinung das Politik im Eintracht-Stadion eine Plattform findet weil einige Eintracht-Anhänger eine rechte Gesinnung vertreten, das diese aber die Politik “zu Hause lassen” und im Stadion nicht präsentiert wird ist den UB’s anscheinend egal. Tatsächlich sind sie es doch die die große mediale Aufmerksamkeit die im Moment auf Eintracht Braunschweig, durch die Spitzenreiterposition lastet, versuchen auszunutzen und für ihre recht zweifelhaften zwecke zu nutzen! Es sprach ein Teil der bösen als rechts bezeichneten aktiven Szene.
@Anonymer User!
Da stellt sich doch bei mir ne offene Frage:
Wie oft gehst du ins Stadion? Und die nächste Frage ist, ich nehme mal nen aktuellen Zeitraum! Wann in den letzten 2 Jahren haste du im Stadion rechte Parolen oder rechte Gewalt gesehen/gehört? Ich stehe in der Südkurve und habe nichts der gleichen erlebt! Ich fahre auch fast jedes Auswärtsspiel mit und habe auch dort nichts rechtes erlebt! Kann gut möglich sein das es Eintracht-Fans mit rechter Gesinnung gibt, aber sie lassen ihre Gesinnung vor dem Stadiongelände und das reicht! Ich bin gegen jeder Art von Extremismus ob rechts oder links! Wenn man dagegen vor gehen möchte dann gegen beide Seiten! Und vorallen nicht im Stadion oder Umfeld!
@BlauGelberOhliker –
Nicht falsch verstehen. Es ist doch nur so: Jetzt, wo die Vorwürfe bei Eintracht auf dem Tisch liegen, kann man sich damit auseinandersetzen. Es spricht doch nur für den Verein, wenn er einfach mal nachhakt, und wenn meinem Ordner ein aktives Handeln in der rechten Szene (außerhalb des Stadions) nachgesagt wird, dann kümmere ich mich darum. Ordner haben auch eine Vorblidfunktion, von daher kümmere ich micht einfach um die Vorwürfe. Nicht mehr und nicht weniger. Warum sollte man alles einfach abtun mit “Politik gehört nicht ins Stadion” wenn ein Verdacht besteht?!
Darüber hinaus, Eintracht ist weit weg davon ein rechter Verein zu sein und der/die Verfasser mit Unterstützung aus HH sind für mich das letzte, denn wenn man Probleme aufzeigen möchte, dann setzt man sich mit dem Verein intern hin, man will doch helfen. Der Weg, der da gegangen wurde ist mehr als falsch, solche Leute wollten Schaden anrichten…
Ub01 war schon immer politisch orientiert. 2008 haben sie auf rechte Strukturen aufmerksam gemacht und es endete mit selbstverschuldetem, kollektivem Stadionverbot. Die “anderen” durften bleiben und sind z.T. noch immer da. Klar sind die sauer. Nicht ganz zu Unrecht…oder? Kann ich (fast 60) mit meinen Freunden in den nächsten Heimspielen im Block 9 ein t-shirt tragen, durch das ich meine Gesinnung (GEGEN RECHTS) zum Ausdruck bringe? Wenn “Nein”, warum nicht? Bin ich dann selber Schuld, weil ich “jemanden” provoziert habe? Soll ich das wirklich außerhalb des Stadions selber regeln? Wie denn konkret? Wenn ich bei dieser “Regelung” verliere, dann bleibe ich halt draußen und dem Verein ist das egal? Ihr fordert zur Selbstjustiz auf, die am Samstag durch “Fans”, die provoziert wurden”, bereits wahrgenommen wurde. UB 01 hat 2012 keine Straßenschlachten, sondern euere Unterstützung gefordert. Zu Recht, denn ich will auch KEINEN Nazi im Stadion neben mir dulden! Ihr etwa???
@Fragender
Wieso beziehst du deine Aussage auf Block 9!?! Soweit ich weiß sind der Großteil de erwähnten Gruppen in Block 10, 8 oder 7! Nur ein kleiner in Block 9! Wieso soll immer der Block 9 der schlimme sein? Da kann man doch sehen das deine Aussage totaler Murks ist! Mir scheint das du dich in der Braunschweiger Fanszene gar nicht auskennst! Also wenn du deinen Senf zu so einem Thema geben möchtest Informier dich erstmal und dann kannst du deinen Nonsens von dir geben!
@bIaugeIberohIiker:
maI ne wirkIich ernst gemeinte frage: hab ich deinen kommentar faIsch verstanden oder isses bei “euch” doch nich soooo n kIeines probIem… ich zitiere: “Soweit ich weiß sind der Großteil de erwähnten Gruppen in Block 10, 8 oder 7! Nur ein kleiner in Block 9″
heisst ein GROSSTEIL von dene sind in 3(!) BIöcken verteiIt + ein kIeiner teiI in 1 BIock?
Da haste es falsch verstanden! Ich meinte das die Gruppen/Personen die in den Flyer stehen, wovon es ja noch nicht einmal mehr alle gibt in den Blöcken stehen!:D Es gibt halt ein paar Gruppen die in den Flyer stehen aber im Stadion üben die weder Gewalt auf die Leute in ihren Block noch machen sie politisch für irgendwas Werbung! Ob die Privat jetzt rechts sind weiß ich nicht! Ich weiß nur eins im Stadion und im Umfeld bzw von Spieltagen machen sie nichts worauf man schließen kann das sie Nazis sind! Und UB ist erstens seid 4 Jahren raus ausm Stadion also können sie schwer das Stadion geschehen beurteilen! Außerdem wenn dort aggressionen gegen UB war/ist dann liegt das nicht an ihrer politischen Ausrichtung. Sondern haben die total gegen die Braunschweiger Fanszene gearbeitet! Nur das was sie wollten war richtig daher sollte man auch nicht alles glauben was ein einziger sagt sondern mehr Quellen sich ranholen!
@Robin: Diplomatisch bist du viel geschickter als die Vereinsführung und ich persönlich halte immer noch recht viel von Dir. Es ist auch klar, dass Du der Eintracht nicht schaden möchtest… Nur bitte tue mir den Gefallen und beantworte die Fragen nicht nur rhetorisch gewandt, sondern auch nach deinem besten Gewissen, sodass die Thematik nicht schon fast (wenn auch wie gesagt geschickt ) verklärt wird. Sei doch nicht so ignorant wie dir Vereinsführung…